A2A (Agent2Agent Protocol) — Kommunikationsstandard für Multi-Agent-Systeme
A2A steht für Agent2Agent Protocol — einen offenen Standard, mit dem eigenständige KI-Agenten miteinander reden können, egal von welchem Anbieter oder auf welchem Framework sie gebaut sind. Google hat A2A im April 2025 vorgestellt, seit Juni 2025 liegt die Governance bei der Linux Foundation. Der Grundgedanke: Sobald mehrere Agenten in einem Unternehmen zusammenarbeiten sollen — ein Einkaufs-Agent hier, ein Logistik-Agent dort, beide von unterschiedlichen Teams oder Anbietern gebaut —, braucht es eine gemeinsame Sprache, damit sie Aufgaben delegieren, Ergebnisse austauschen und sich gegenseitig entdecken können, ohne dass jemand für jede Agenten-Paarung eine eigene Bridge schreibt.
Wie A2A technisch funktioniert
Ein A2A-fähiger Agent veröffentlicht eine Agent Card — ein JSON-Dokument, das beschreibt, was der Agent kann, welche Skills er anbietet und über welchen Endpunkt er erreichbar ist. Ein anderer Agent liest diese Karte, findet den passenden Skill und schickt darüber eine Aufgabe.
Die eigentliche Kommunikation läuft über JSON-RPC 2.0 auf HTTP(S). Eine Aufgabe durchläuft dabei einen festen Lebenszyklus mit klar definierten Zuständen: submitted → working → input-required → completed (oder failed / canceled / rejected). Für lange laufende Aufgaben unterstützt A2A synchrone Anfragen, Streaming über Server-Sent Events und asynchrone Callback-URLs — der aufrufende Agent muss also nicht blockierend auf eine Antwort warten.
Wichtig für den Praxiseinsatz: A2A behandelt jeden Agenten als Blackbox. Der aufrufende Agent sieht weder das interne Reasoning noch den Speicher oder die Werkzeuge des aufgerufenen Agenten — nur die Agent Card nach außen und die Task-Ergebnisse. Das ist bewusst so gewählt, damit Unternehmen Agenten miteinander verbinden können, ohne interne Logik oder Geschäftsgeheimnisse offenzulegen.
A2A vs. MCP — die Abgrenzung
A2A wird häufig mit MCP verwechselt, weil beide „Interoperabilität für KI” versprechen. Der Unterschied liegt in der Richtung der Verbindung:
- MCP verbindet vertikal — ein einzelner Agent mit seinen Werkzeugen, Datenquellen und APIs (Anthropic, seit November 2024).
- A2A verbindet horizontal — ein Agent mit einem anderen, eigenständigen Agenten (Google, seit April 2025).
Merksatz
MCP beantwortet die Frage „Wie greift mein Agent auf Werkzeuge und Daten zu?”. A2A beantwortet die Frage „Wie spricht mein Agent mit einem fremden Agenten?”. In produktiven Multi-Agent-Systemen kommen meist beide gleichzeitig zum Einsatz — MCP innerhalb jedes einzelnen Agenten, A2A zwischen den Agenten.
Seit Dezember 2025 sind beide Protokolle zudem unter demselben Dach organisiert: Die Agentic AI Foundation (AAIF) wurde unter der Linux Foundation gegründet, mit Anthropic, Google, OpenAI, Microsoft, AWS und Block als Gründungsmitgliedern. MCP und A2A werden dort als komplementäre, nicht konkurrierende Bausteine desselben Interoperabilitäts-Stacks gepflegt.
Use-Cases in Multi-Agent-Systemen
A2A lohnt sich überall dort, wo Agenten über Team-, Firmen- oder Anbietergrenzen hinweg zusammenarbeiten sollen, statt in einem einzigen Multi-Agent-Orchestrierungs-Framework zu bleiben:
- Supply-Chain-Koordination. Ein Bestell-Agent eines Herstellers spricht direkt mit dem Logistik-Agenten eines Spediteurs — beide von unterschiedlichen Firmen betrieben, ohne gemeinsame Codebasis.
- Finanzdienstleistungen und Versicherung. Spezialisierte Agenten für Risikoprüfung, Betrugserkennung und Kundenkommunikation delegieren Teilaufgaben aneinander, oft über Cloud-Grenzen hinweg (Google Cloud, Microsoft Azure, AWS unterstützen A2A inzwischen alle nativ).
- IT-Operations. Ein Monitoring-Agent erkennt eine Anomalie und delegiert die Root-Cause-Analyse an einen spezialisierten Diagnose-Agenten eines anderen Anbieters, statt die Logik selbst nachzubauen.
- Agenten-Marktplätze. Über die Agent Card können Agenten sich gegenseitig entdecken und Fähigkeiten nachfragen — eine Grundlage für Ökosysteme, in denen Unternehmen fremde Spezial-Agenten einkaufen statt selbst zu bauen.
Stand September 2026: Governance und Adoption
Google hat A2A im Juni 2025 vollständig an die Linux Foundation übergeben — Spezifikation und SDKs liegen seither unter neutraler, anbieterunabhängiger Governance. Zum Einjahres-Jubiläum im April 2026 zählte das Projekt nach eigenen Angaben über 150 unterstützende Organisationen, native Integration in alle drei großen Cloud-Plattformen (Google Cloud, Microsoft Azure, AWS) sowie erste Produktiv-Einsätze in Supply-Chain, Finanzdienstleistungen, Versicherung und IT-Operations. Die zugehörige Spec hat seit dem Jubiläum den Status 1.0 erreicht. Die neu gegründete Agentic AI Foundation zählte laut Berichten von Mai 2026 rund 190 Mitgliedsorganisationen. Diese Zahlen sind Stand der jeweils zitierten Quelle und können sich mit weiterem Wachstum des Ökosystems noch verschieben.
FAQ
Ist A2A ein Ersatz für MCP? Nein. Beide lösen unterschiedliche Probleme: MCP verbindet einen Agenten mit seinen eigenen Werkzeugen und Datenquellen, A2A verbindet einen Agenten mit einem anderen, eigenständigen Agenten. Produktive Multi-Agent-Systeme nutzen typischerweise beide zusammen.
Wer steht hinter A2A? Google hat A2A im April 2025 vorgestellt und die Spezifikation im Juni 2025 an die Linux Foundation übergeben. Seit Dezember 2025 liegt die Governance zusammen mit MCP bei der neu gegründeten Agentic AI Foundation, mit Anthropic, Google, OpenAI, Microsoft, AWS und Block als Gründungsmitgliedern.
Muss ein Agent für A2A eine bestimmte Programmiersprache oder ein bestimmtes Framework nutzen? Nein. A2A ist absichtlich framework-agnostisch: Kommunikation läuft über JSON-RPC 2.0 auf HTTP(S), unabhängig davon, ob der Agent mit LangGraph, einem proprietären Stack oder etwas komplett Eigenem gebaut wurde. Voraussetzung ist nur, dass der Agent eine gültige Agent Card veröffentlicht und die Task-Lifecycle-Zustände korrekt bedient.
Was ist eine Agent Card? Ein JSON-Dokument, das ein A2A-fähiger Agent veröffentlicht und das beschreibt, welche Skills er anbietet, welche Ein- und Ausgabeformate er unterstützt und über welchen Endpunkt er erreichbar ist. Andere Agenten nutzen die Agent Card, um passende Agenten zu finden und Aufgaben an sie zu delegieren.
Sieht ein aufrufender Agent, wie der andere Agent intern arbeitet? Nein, und das ist bewusst so designt. A2A behandelt jeden Agenten als Blackbox — sichtbar sind nur die Agent Card und die Ergebnisse abgeschlossener Aufgaben, nicht das interne Reasoning, der Speicher oder die Werkzeuge des aufgerufenen Agenten.
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GlossarMCP
MCP — Model Context Protocol — ist ein offener Standard von Anthropic, um KI-Modelle einheitlich mit externen Datenquellen und Werkzeugen zu verbinden.
GlossarKI-Agent
Ein KI-Agent ist ein System, das ein Sprachmodell mit Werkzeugen kombiniert und mehrschrittig auf ein Ziel hinarbeitet — typischerweise in einer Schleife aus Beobachten, Planen und Handeln.